Aus dem Tagebuch eines Schwangerschweinsklaven
Sonntag, 9. Januar 2005 7:30 Uhr

Gääähn. Niemals stehe ich so früh auf.
Ich dreh mich besser um und schlafe noch eine Runde.
Schließlich ist Sonntag...*wiederseligeinschlummer*
*hochschreck*
Aber es könnte ja sein, daß die Babys heute nacht endlich gekommen sind?
Schließlich warten wir schon seit einer Woche...
Also gut.
Stehe ich flink auf und tappse geradewegs Richtung Wohnzimmer.
Voller Vorfreude auf die Minischweinepopos.
Wieviel es wohl sind? Welche Farben sie wohl haben?
Im Wohnzimmer angekommen empfängt mich Hermine.
Dick.
"Gut, das Du endlich aufstehst,
mach Frühstück,
ich hab Hunger -
aber dalli" sagt sie.

"Ja, gut, natürlich, sofort"
erwidere ich und gehe in die Küche.
Nicht etwa, um uns Kaffee zu kochen,
sondern um zunächst einmal den Kühlschrank
nach Leckereien fürs Schwangerschwein zu durchforsten.
Hm.
Ein Vitamincocktail aus Chinakohl und Bleichselleriestückchen,
das wär doch was ...
Ich schnippele, als ginge es um mein Leben,
angefeuert von den wütenden Rufen aus dem Wohnzimmer.
"Zimmerservice!
Bitte etwas schneller,
es hat die ganze Nacht nichts zu essen gegeben!"
Ergeben eile ich mit goldenen Tellerchen zum Stall,
wo Hermine in ihrem Königsgewand (rot-weiß halt, ne? *g*)
auf dem Kuschelsack liegt und permanent weiter schreit.
Stelle den Teller vor ihr ab,
einen zweiten zu den anderen Damen in den unteren Geschossen.
"Wie, keine Gurke, kein Salat? Naja."
Sie schnurpselt, ich bin selig.
Jetzt kann ich in die Küche gehen und 2Beinfrühstück machen.
Naja, erstmal den obligatorischen Toilettengang, ihr wisst schon ^^
Ich setzte Kaffeewasser auf,
nehme vorsichtig die Tiefkühlbrötchentüte aus dem Gefrierfach,
damit es nicht knistert.
Geschafft.
Brötchen sind im Ofen.
Sehr gut.
Fehlen noch Marmelade und Butter.
Kühlschranktür auf, Marmelade raus, Butter raus, Kühlschranktür zu.
Plauz.
Mist, das war zu laut, das hat sie gehört.
"Muiiiiiiiiiiiig.
Ich habs genau gerochen!
Da ist Gurke im Kühlschrank!
Und ich muß diesen Mist hier essen!"
Ich gehe zu Hermine.
Die zarten Teile des Chinakohls sind aufgefressen.
Die Strünke und die Bleichselleriestücke hat sie vom Teller gezerrt
und in der Einstreu festgetrampelt.
Toll.
Die hat ja keine Ahnung, was was alles kostet.
Provokativ steht sie vor mir und muigt mich an:
"Muiiiiiiiiiiiig.
Ich habs genau gerochen!
Da ist Gurke im Kühlschrank!
Und ich muß diesen Mist hier essen!"
"GurkeGurkeGurkeGurkeGurke!!!"
Ich gebe nicht nach. Später vielleicht.
Erstmal nach den Babys schauen.
Als ich die Hand an den Bauch lege,
läßt mich Hermine zunächst gewähren.
Allerdings ist es ihr nach zwei Sekunden schon unangenehm
und sie blubbert mich empört voll.
Ich taste vorsichtig nach der Schambeinfuge.
Finde sie nicht.
Fühle nochmal nach.
"Das ist sexuelle Belästigung, ich werde Dich anzeigen!"
sagt Hermine und ergreift die Flucht.
Ich bin ja schon fertig.
Schambeinfuge ist vielleicht 5mm offen.
Wie gestern.
Und vorgestern.
Das kann doch nicht sein, das muß doch langsam mal losgehen,
schließlich fühle ich schon seit über drei Wochen Bewegungen!
Über den Tag geht das dann so weiter.
Ich fühle, Hermine meckert.
Die Babys treten und boxen
und das beruhigt mich für ein bis zwei Stündchen ungemein.
Mein Mäkelschwein schafft es auch,
daß ich irgendwann die Gurke herausrücke,
die ich ihr eigentlich nach der Geburt geben wollte.
Es ist schon die fünfte, die ich ihr eigentlich erst nach der Geburt geben wollte.
Auch den mickrigen Eissalat, den ich für viel Geld erstanden habe, verfüttere ich.
Hermine kriegt mehr als die anderen,
denn sie ist ja hochträchtig und braucht Vitamine,
die kleine Königin.
Ich habe den ganzen Tag nicht wirklich was geschafft, weil ich keine Ruhe fand.
Schließlich könnten jeden Moment die Babys kommen...
Trotzdem falle ich abends müde und unzufrieden in mein Bett
und freue mich vorsichtig auf den nächsten Morgen,
denn vielleicht -
ja, vielleicht
sind ja dann die Babys da.


mit freundlicher Genehmigung von Judith H.